An einem der freien Tage bekommen wir von Ilja das Museum gezeigt. Da sind allerhand ausgestopfte Tiere, dies nur dort gibt. Unter anderem ein Kabarga (Moschus moschiferus, sibirischer Moschushirsch), von dem ich erst dachte, es wäre der Phantasie des Präparators entsprungen. Sieht aus wie ein zu klein geratenes struppiges Reh mit Buckel oder ein zu großes Eichhörnchen mit Hufen und ohne Schwanz. Die Besonderheit aber waren seine Hauzähne, die das Männchen in der Paarungszeit braucht (wofür auch immer).
Jedenfalls hatten wir auch mal die Ehre, die Exponate putzen zu dürfen. Dabei entstand die, für den im Umgang mit den Schaustücken sehr vorsichtigen Ilja, unangenehme Situation, dass sich Teile unserer Brigade in Bär und Wolfsfelle gehüllt zur Schau stellten. Zum Glück gab es dort keine Besucher...
An den anderen freien Tagen machten wir ausgedehnte Wanderungen. Einmal in die nördlich gelegenen Berge zu einem Aussichtsturm. Andere Male einfach am Ufer entlang zu schönen Plätzen, wie dem Mys Tonenkij.
Direkt neben unserem Haus stand eine Banja. Sah gut aus das Häuschen, neu, und nach einer Reinigungsaktion auch ziemlich sauber. Für die, die es nicht wissen: eine Banja ist sowas wie eine Sauna, nur viel ausgeklügelter. eine Banja hat immer einen Vorraum, von dem aus der Ofen zu beheizen ist. Dort kann man sich auch ausziehen. Drinnen dann ganz normal die sitzbänke und alles. Und auf dem mit Steinen beladenen Ofen steht ein Wasserzuber, der nach ausreichender Heizzeit heißes Wasser enthält. In einer Ecke steht noch ein zweiter Behälter mit kaltem Wasser. Jetzt denkt man natürlich sofort: Was gibt das für eine Überschwemmung! Aber weit gefehlt, denn die Bohlen am Boden sind mit Zwischenraum durch den das Wasser abfließen kann. Der aufmerksame Leser wird es bemerkt haben: Eine Banja ist eine Sauna mit Reinigungsfunktion. Diese nutzten wir auch nach staubiger Arbeit jeden Tag. Nach Geschlechtern getrennt, versteht sich!
Allein, unsere Banja hatte ein Manko, das wir ob seiner Unauffälligkeit und Unzugänglichkeit erst bemerkten, als es schon viel zu spät war. Zu spät war es eines Morgens, als plötzlich und völlig unerwartet der oberste Chef von Davsha, Sotnikov mit Namen, in unserem Schlafgemach stand und folgendes verkündete: "Die Banja brennt, es hat sich ausgewaschen!" Ich, der ich am Fenster schlief, suchte nach einer Bestätigung seiner Worte, die ich nicht fand, worauf ich mich umdrehte und weiterschlief. Die anderen, nicht des Russischen mächtig, schreckten nur aus dem Schlaf hoch. Einzig Semjon der die Botschaft verstanden hatte, nämlich dass es zu löschen galt, sprang in seine Klamotten und eilte hinaus.
Das aufgeregte Stimmengewirr von draußen ließ mich dann doch aufstehen und nachsehen was los war. Man war inzwischen damit zugange die Banja abzudecken. Das war eine Arbeit, die wir nach den letzten Arbeitstagen blind beherrschten. Es dauerte keine 10 Minuten und die Banja streckte nur noch das Gerippe ihrer Dachsparren in die Luft. Darunter offenbarte sich ihr Manko: Normalerweise wird das eiserne Rauchrohr an der Durchführung durch die hölzerne Decke mit Lehm ummantelt. das hält die Hitze vom Holz fern. In Falle unserer Banja war der Erbauer nicht so umsichtig gewesen. Er hatte statt des Lehms einfach die Sägespäne genommen, die auch zum Isolieren der Decke dienten. Ja und was das gibt, Sägespäne an glühendem Rohr, kann sich jeder ausmalen: kokelnde Sägespäne, Rauchentwicklung und schließlich einen Großbrand, zu dem es zum Glück nicht gekommen war.
Verhindert hatte den Großbrand unser Nachbar, der
Kettensägenmörder, der sich wunderte warum wir schon um 6 Uhr
morgens und am Waschen waren. Auf den zweiten Blick merkte er,
dass der Rauch seitlich des Rohres aus der Banja trat. Schnell
goss er einen Eimer Wasser so gut wie möglich unters Dach und
holte den Chef.
Von da ab hatten wir Banjaverbot.