Der Rückgang der Forschungsaktivitäten und der damit verbundene Rückgang der Bewohner sind im Zusammenhang mit strengen Umweltschutzauflagen, die zum Teil aus der Erklärung der Baikalregion zum UNESCO Weltnaturerbe resultieren, der Grund für unseren Arbeitsauftrag: Nicht mehr benötigte Gebäude abzutragen.
Und das taten wir denn auch! Unser Hauptwerkzeug war das Brecheisen, Nachdruck verliehen wir unseren Bemühungen mit dem Vorschlaghammer. Wir waren der wandelnde Gebäudeschaden. Wir verschonten nicht das Alter sondern nur die Klohütten. Auf schwankenden Balken balancierend schlugen wir mit Macht die Stützen ein, die uns trugen. Wir achteten nicht der Nägel, die vom Boden aufstachen und trotzen sowohl Wespen, deren Nester wir vernichteten, als auch den allgegenwärtigen Mücken. Das Wetter versprach schlecht zu werden, denn die Bretter flogen sehr tief!
In unserer Gnadenlosigkeit wurden wir nur durch den Kettensägenmörder übertroffen, der nur mit leichtem Gummischuhwerk bewehrt, mit der Motorsäge hantierte, als ob um ihn herum niemand stünde. Sägte ständig auf der Spitze des Schwertes und bremste die Kette nicht vor seinen unerwarteten Wendemanövern auf wackeligem Bretterhaufen. Wer in seiner Nähe arbeiten musste, war auf der Hut und hatte die rasende Kette ständig im doppelt wachsamen Auge.
Nachdem die Häuser, Ställe, Verschläge und Hütten erst von uns in Stücke gerissen waren, machte sich der Kettensägenmörder über sie her und verarbeitete sie zu Brennholz. Die großen Haufen wurden dann von einem Veteranen der Arbeit [1, 2] zu den Häusern gebracht. Zum Glück landete ein guter Teil der fliegenden Energieträger zwischen Banja und Küche, was uns beim Kochen viel Arbeit ersparte.
Es ist eine gute Arbeit. Die Aggressionen können ungehindert strömen und man braucht sich keine Gedanken zu machen, ob es denn auch allen gefällt oder ob die Genauigkeit stimmt und alle Normen eingehalten werden. Es ist, wie gesagt, eine gute Arbeit.
Wir wurden in der Nähe der "Kreuzung" einquartiert und zwar im
"Klub".
Das ist eine ehemalige Disco und das Dorfkino in
einem. Der Klub dient jetzt als Unterkunft für Gruppen, die zu
Lehrreisen nach Davsha kommen. In dem Gebäude gibt es 4 große
Räume: einen Saal, der wohl mal als Kino und Theater gedient
hat, unsere Küche,
dekoriert als Klub mit Tresen und zwei
Schlafräume, von denen wir nur einen benutzten. Gekocht wurde auf
dem Holz beheizten Herd. Einige wenige schlugen hinter dem Haus
ihr Zelt auf und riskierten es, von den beiden umherstreifenden
Kühen zermantscht zu werden.
Das Klo war eine Hütte mit Loch im Boden. Fließend Wasser gab
es nur, wenn man einen Eimer ausleerte.
Ein großer Teil unseres Lebens in Davsha wurde durch die Mücken
bestimmt, die uns Rituale, wie zum Beispiel das allfünfminütige
Einreiben mit Repellenten aufzwangen oder uns zu hektischen
Fuchteleien mit den Händen über dem Kopf verleiteten. Der andere
Teil wurde durch das Tageslicht bestimmt.
Wir hatten immer drei Tage zu arbeiten und dann einen freien
Tag, an dem wir einen Ausflug mit Ilja machten, denn alleine
durften wir uns ja nicht aus dem Dorf bewegen.
Es war uns außerdem nicht empfohlen worden, nach einbruch der Dunkelheit an den Strand (schoner feiner Sand und Kies) zu gehen, da dort der Bär zu gehen pflegte. "Bär" ist ohnedies ein großes Thema. schon allene deshalb weil Masha unbedingt einen aus nächster Nähe sehen wollte.
Gekocht wurde reihum, immer ein Zweierteam hatte einen Tag lang Küchendienst. Das fing um halb sieben an mit Feuer machen und Brei kochen. Brei ist überhaupt eine gute Beschreibung der Nahrung, die wir zu uns nahmen.