Die Fahrt nach Davsha dauert 10 Stunden, die wir teils schlafend teils essend oder an Deck zubringen. Während der Fahrt klart es auf und wir kommen bei strahlendem Sonnenschein in Davsha an.
Hinter dem Dorf sieht man die Berge des Barguzinskij
Hrebet. Hinter den Bergen war im vorigen Jahr unser Projekt in Alla.
Davsha besteht aus zwei Straßen und hat keine Ampel, es fahren
ja auch nur ab unz zu ein Motorrad oder ein Lastwagen. Es gibt
keine Zufahrtswege. Das Betreten des gesamten
Naturschutzgebietes ist streng verboten und nur mit
Sondergenehmigung erlaubt. Davsha ist das Hauptdorf des
Gebiets. Es gibt noch zwei weitere Siedlungen an der Küste: eine
am Nordrand und eine am Südrand des Gebiets.
Davsha wurde als Forschungsstation eingerichtet. Zu seiner Glanzzeit lebten dort bis zu 40 Menschen. Jetzt ist es nicht einmal mehr die Hälfte. Ilja unser Arbeitsanleiter, der sozusagen die Schnittstelle zur Reservatsverwaltung ist, ist der einzige Mensch der dort geboren wurde. Seine Eltern waren Wissenschafter und lebten die meiste Zeit in Davsha. Um für die Geburt mal eben in 10 Stunden in die nächste Stadt zu schippern, reichte schlichtweg die Zeit nicht.
Vor etlichen Jahren gab es in Davsha auch mal Strom. Den
Generator dazu konnten wir etwas abseits vom Dorf in einem
Magazin besichtigen.
Was es etwas abseits auch noch zu sehen gab, sind riesige
Dieseltanks aus einer Zeit, da es mit der Einhaltung der
Auflagen nicht so streng war. Damals wurde hier Diesel
umgeschlagen. Heute diskutiert man über die Abschaffung der
letzten Kuh aus ökologischen Gründen, wärend man damals
vermutlich einem Liter Diesel im Erdboden nicht nachgeheult
hätte.
Auch einen Flugplatz gab es einmal, der zur Unterstützung der Brandbekämpfung aus der Luft diente. Als wir in der Verwaltung waren, wurde dort laut achgedacht, die Landebahn mit unserer Hilfe zu reaktivieren. Denn Baumaschinen sind jetzt tabu.
Der "Barguzinskij Zapowednik", wie das Naturschutzgebiet heißt, feierte in diesem Jahr sein 90-jähriges Bestehen und ist damit eines der ältesten Naturreservate Russlands. Hier wurde Forschungen zu Vegetation und Vegetationszeiten gemacht. Ursprünglicher Anlass zur Gründung des Reservats war der Nötige Schutz der Zobel, die angeblich von den einheimischen Evenken fast ausgerottet wurden als sie merkten, dass es dafür Geld von den Russen gab. Angeblich war Anfang des 20. Jahrhunderts nur mehr ein einheimisches Zobelpärchen übrig.